Kilimandscharo Besteigung (19.7.-28.7.18)

Der Kibo (höchster Berg des Kilimandscharomassivs) ist 5895m hoch und gilt unter Bergsteigern als leichtester der "Seven Summits". Neben sehr guter Kondition ist auch gute Höhenluftverträglichkeit gefragt, die man aber leider nicht antrainieren kann sondern von noch unbekannten Faktoren abhängt. Ich habe im Vorfeld einen Höhenverträglichkeitstest gemacht in einem Höhen-medizinischen Institut (www.hochform.at) Dieser kostete 180 Euro und ist sehr ratsam, denn so wird mit einer Maske die Luft auf 6000m simuliert und man kann im Vorfeld erkennen, ob man für das Höhenbergsteigen geeignet ist.

Bei mir kam "kaum anfällig für Höhenkrankheit" heraus, deswegen entschied ich mich für den Aufstieg und buchte die Expedition um ca. 3000 Euro. Der Kibo darf ohne Guide gar nicht bestiegen werden. Aber es gibt ein gutes Unternehmen, wo man viele interessante Expeditionen buchbar sind (Hauser-Exkursionen). In sechs Tagen wird der Kibo bestiegen (inkl. Akklimatisierungstag auf 4200m).

Tag 1 : Marangu gate (1800m)

Am Marangu Gate warten wir (eine Gruppe von 5 Bergsteigern) auf die Erlaubnis, den Kibo zu besteigen. Das hat bei uns 3 Stunden gedauert, geht normalerweise aber schneller. Unser Ziel war heute die 1000m höher gelegene Mandara Hut. Nicht besonders steil geht es aufwärts im tropischen Regenwald entlang des Marangu River, dessen Rauschen unsere Ohren bereicherte während des Aufstiegs. Man sieht außergewöhnliche Pflanzen und Bäume (und manchmal Affen). Staunend stieg ich durch den Regenwald, ab und zu hielten wir an und unser Guide erklärte uns ein paar tropische, besondere Pflanzen. Der Aufstieg war sehr einfach, die Luft angenehm zu atmen. Nach 5 Stunden erreichten wir die Mandara Hut. Sauerstoffgehalt auf 2800m- 97 % exzellent. Keine Anzeichen von Höhenkrankheit.

Tag 2: Mandara Hut (2800m)

Der Tag begann nebelig und regnerisch um 6.30h, um 7 gab es Frühstück und 

Schüsseln mit Wasser zum Waschen. Die Außentemperatur betrug ca. 15 Grad, ich wusch mir noch brav den ganzen Körper hinter meiner 4-Bett-Hütte, die erste Nacht verbrauchte ich mit 2 Däninnen und einer Japanerin. Die Nacht war unruhig, Affengeschrei von außen, Leute gingen ein und aus, den Schlafsack ließ ich noch offen, weil es halbwegs warm war. 

Wir brachen um 8h auf durch eine Heidelandschaft, geprägt durch hohes Gras, Sträuchern und immer weniger Bäumen. Es regnete sehr, obwohl unser Guide behauptete, das sei nur Nebel. Also unbedingt Regenjacke und Rucksackabdeckung. 3 Liter trinken pro Tag ist Pflicht, wir wurden dazu angehalten. Dies erleichtert die Akklimatisation. Das Wasser (leider aufbereitet und eher grausig) bekamen wir in der Früh in unsere Trinkflaschen, ich habe es mir mit Peeroton Johannisbeere "aufgebessert". Powerbars müssen wir selber mitbringen, ein lunch bekamen wir mit in einer Box, meiner Meinung nach eher unessbar (aber Geschmackssache). Wir stiegen in der Nässe auf zur Horombo Hut auf 3800m, wo wir zwei Tage verbringen werden. Die Luft ist noch immer leicht zu atmen für mich, allerdings spürten die ersten schon Kopfweh und Herzrasen. Sauerstoffgehalt im Blut auf 3800m-97%, Ruhepuls allerdings um die 100, aber keine Anzeichen von Höhenkrankheit.

Tag 3: Horombo Hut (3800m) und Akklimatisierung(4200m)

Heute durften wir bis 7.30h ausschlafen, ehe unser Waschzeug gebracht wurde. Wir schliefen in einer 5-Bett-Hütte, das ging sich gut für unsere Gruppe aus. Waschen fiel auf dieser Höhe schon schwerer, es war sehr nebelig und dadurch sehr kalt (0 Grad in der Nacht, 10 Grad am Tag bei Sonne). Der Schlafsack wurde schon zugezippt ( -15 Grad Komfortbereich). Eine Plastikflasche füllte ich mir abends an mit heißem Wasser und missbrauchte sie als Fuß-Wärmeflasche in der Nacht. Beheizbare Socken wären toll gewesen. Heute ging es um 8.30h los zur Akklimatisierung auf die Zebra Rocks (4200m). Und danach wieder bergab in die Horombo Hut. Zum ersten Mal riss die Nebelsuppe auf, wir hatten erstmal freien Blick auf den benachbarten Mawenzi. Es wurde schlagartig wärmer, ich zog meine Daunenjacke aus und ging nur mit Weste. Der Aufstieg war sehr angenehm und die Zebra Rocks eine sehr spannende Felsformation, schwarz weiß, entstanden durch den früheren Vulkanismus. Ober den Zebra Rocks sahen wir zum ersten Mal unser endgültiges Ziel, den Kibo. Vor Staunen wurde ich viel mehr motiviert, jetzt sah ich zum ersten Mal, wie weit es noch sein wird (verdammt weit :) ). Mittags ging es wieder zu den Horombo Huts in den Nebel zurück, es wurde wieder kalt, ich zitterte Nachmittags in der Gemeinschaftshütte und versuchte mich mit Kartenspielen abzulenken. Die Nacht kam mir noch kälter vor, aber mit meiner "Pseudowärmeflasche" hielt ich irgendwie mit wenig Schlaf durch. Sauerstoffsättigung: Sensationelle 98%

Tag 4: Kibo Hut (4800m)

Um 6 Uhr wurden wir geweckt, ich wusch mich schnell-schnell, wegen Kälte. Wenn man aus dem Schlafsack steigt, spürt man sie besonders, deswegen verkniff ich mir die ganzen Nächte den Harndrang, autsch. In der Früh gab es Frühstück und unser Lunchpaket, heute stand uns ein bisschen längerer Aufstieg bevor zur Kibo Hut auf 4800m. Der Weg war nicht sehr steil, aber sehr lange. Hier gab es bereits den ersten, der sich für den Abstieg entschied, wegen Symptomen der Höhenkrankheit. Der Bursche war Marathonläufer, sehr trainiert, aber gegen die Höhenkrankheit half ihm das nicht. Die Landschaft war geprägt durch Reisensenecien, später nur mehr durch "alpine Wüste", es erinnerte mich sehr an eine Marslandschaft, so wie ich sie mir vorstellen würde. Der monströse Kibo kam immer näher, man erkannte schon die ersten Gletscher. Zu viert stiegen wir in 6-7 Stunden auf zur Kibo Hut. Mir trieften die Augen. Es war sehr stürmisch. Wir kamen in einen Schlafsaal. Meine Kollegen klagten über Kopfweh und Übelkeit, auch mir tat der Kopf leicht weh. Wir sollten schon um 18 Uhr schlafen gehen, da wir um 23 Uhr wieder geweckt werden für den Gipfelanstieg. Ich litt unter Appetitlosigkeit und Schlaflosigkeit. Wollte nur mehr rauf. In der Hütte hatte es Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, benachbarte Kroaten gröhlten noch herum, der Wind pfiff durch jede Ritze, ich konnte nicht schlafen. Aber ich hörte Musik und versuchte, mir im Gedanken Kraft zu holen vom Kilimandscharo. Mein wirklich außergewöhnlich hoher Sauerstoffgehalt im Blut mit 95% beruhigte mich, obwohl mein Kopf weh tat und mein Herz schnell schlug.

Tag 5: Gipfelsturm zum Uhuru Peak (5895m)

Nach 5 Stunden unruhigem Herumliegen und Drehen im Schlafsack (angezogen mit Thermohose und Daunenjacke im Schlafsack) wartete ich schon sehr auf unseren Weckruf um 23 Uhr abends. Gezittert habe ich diese Nacht, in der Hütte war es so derartig kalt, da half meine Pseudowärmeflasche auch nicht viel. In den "Schlafstunden" hörte ich Röcheln und Luftschnappen meiner Kollegen. Ich hatte keine Atemprobleme, aber Kopfweh. Das konnte ich nach einer Stunde "wegatmen". Aus dem Schlafsack gekrochen kostete ich den ersten Schluck Tee und musste schnell rauslaufen, ehe ich mich übergeben musste. Was vor der Hütte passierte. Ich beutelte mich kurz und es ging mir wieder besser. Ich versuchte noch ein bis zwei Schlucke Tee zu trinken und diese zu behalten. Kekse gab es zum Frühstück, ich konnte sie nicht einmal ansehen. Zwei weitere Kollegen meiner Gruppe waren am überlegen, ob sie weitermachten, einer blieb unten, es ging ihm zu schlecht. Atemnot und Herzprobleme. Seine Frau probierte den Gipfelanstieg mit, aber angeblich schaffte sie es nicht rauf. Ich war die stärkste aus der Gruppe, hat sich herauskristallisiert. Ich bekam meinen eigenen Guide für den Gipfelansteig. Wie man an der Bergform erkennen kann, geht es den letzten Tag sehr sehr steil in Serpentinen über Geröll bis zum Kraterrand (Gilmans Point). Von dort weiter zum Stella Point bis zum Uhuru Peak. Ich peilte immer den Uhuru an, für mich gab es keine Gedanken an aufgeben, obwohl sich beim nächtlichen Anstieg noch einmal mein Magen umdrehte. Das passierte aber nicht nur mir, ich sah andere Leute auf allen Vieren gehen, herumliegen und alle Viere von sich strecken. Es ging wirklich sehr langsam, ich überholte mit Goodluck, meinem Begleiter, einige Gruppen, er ermahnte mich aber immer mit Polepole (langsam langsam). Ich wollte aber schnell vorankommen, dann hätte ich diese Tortur schneller hinter mir. Aber kaum begann ich zügiger zu gehen, packte mich der Schwindel und ich hatte keine Chance mehr und ging wieder langsamer. Jeder Schritt da oben ist gefühlte fünf Schritte auf unsere Seehöhe. Ab 5000m wird´s wirklich sehr sehr anstrengend. Ich weinte ein bisschen in mich hinein, weil ich spürte, dass es an mein Limit geht, ehe ich mich wieder extrem "zusammenriss" und weiter ging. Dieser Gilmans Point würde niemals näher kommen, dachte ich. Immer noch eine Serpentine, immer noch Felsen, leichte Kletterei, jeder Handgriff war unendlich anstrengend. Meine Hände waren bis zu den Ellbogen taub, meine Zehen ebenso, es war großer Sturm, ich musste mich manchmal an der Hand meines Guides festhalten, sonst stürzte ich im Sturm um. Zwei Daunenjacken, ein Merinowollepullover, Thermounterwäsche lang und eine Thermoüberhose, mein Gesicht vermummt, trotzdem war es so kalt. Plötzlich, nach 5 Stunden aufstieg (und bereits viel weniger Menschen um mich) erreichte ich den Gilmans Point (ca.5600m) und somit den Kraterrand. Ab da nahm der Sturm noch mehr zu- aber auch meine Motivation. Jetzt werde ich sicher nicht aufgeben! Ich fühlte mich dem Himmel so nahe. Irgendwer oder -was gab mir plötzlich einen unheimlichen Kraftschub und ich zwang mich zwischen bizzarren Spalten und Eissäulen durch, weiter durch den Sturm, Goodluck ging hinter mir. Ich merkte, dass es ein bisschen heller wurde. Meine Augen und meine Nase triefte unaufhörlich. Nichts konnte mich mehr stoppen und vor allem meinen Ehrgeiz. Ich passierte den Stella Point und schaute selten zur Seite in den 2km großen Krater. Wollte nur nach oben. Suchte irgendwie verzweifelt das Gipfelschild, fand es nicht. Noch weiter. Immerhin vom Gilmans Point noch 1 1/2 Stunden weiter sah ich es endlich. Der Uhuru Peak war da. Ich konnte kaum Fotos machen, weil ich meine Kamera im Sturm nicht ruhig halten konnte. Zwei Minuten lang war ich am Gipfel fürs obligatorische Foto. Wollte nur runter, spürte gar nichts. Keine Euphorie, wie erwartet, ich wollte einfach nur weg, zurück ins Warme, zurück in die atembare Luft. Ich traf bei meinem Abstieg noch unseren Kollegen, den einzig übrig gebliebenen und winkte ihm zu, er war schon weit oben und ich freute mich für ihn. Auf 4800m züruck war ich in einer Stunde ("Geröllsurfen"), es war warm wie im Sommer, fand ich (obwohl noch immer unter Null grad). Auf einem Auge war ich blind, hatte meine Brille am letzten Tag in meinem Wahnsinn vergessen. (Aber nach zwei Tagen sah ich wieder voll- es war Schneeblindheit).

Mein Fazit:

Leute, die nicht schon vorher erfahren im Bergsteigen sind, haben am Kibo nichts verloren. Bergtraining ist unverzichtbar, mindestens einige Monate vorher sehr häufig. Mit Aufstiegen von 1000hm in unseren Bergen sollte man sich spielen. In der Höhe ist es bei weitem nicht dasselbe! Man kann natürlich auch Laufen als Vorbereitung, aber den größeren Teil sollte man bergsteigen. Konditionsschwache sollten es ebenfalls lassen und psychologisch schwache Menschen auch (viel Stress, ständig zusammen mit vielen auf engem Raum, wenig Schlaf). Aber es ist machbar. War auch mal Otto-Normalverbraucher früher. Habe drei Jahre viel trainiert am Berg, Fels, Ausdauer, Kraft, ca. 4x-5x- pro Woche. Deswegen war es für mich sehr leicht bis zum letzten Tag, da hieß es dann auch für mich: no pain, no gain. Aber ich habe es geschafft! Mein Guide erzählte mir, es schaffen 35%-40% der Bergsteiger. Und ich war stolz, zu denen zu gehören.