Die Malerei-Narredei - über meine Künstler-Persönlichkeit

13.1.2018

"Jedes Mal, wenn man mir sagt, ich passe nicht in die Gesellschaft, schaue ich in die Gesellschaft und bin überaus erleichtert". Ein Zitat eines unbekannten Meisters, hinter dem ich zu 100% stehe :)

 

Die Voraussetzung, um ein guter Künstler zu sein, ist, einen an der Klatsche zu haben, so kommt es mir immer öfters vor. Woher sonst diese unerschöpflichen satirischen Gedanken, die die Genialität einer bildlichen Geschichte hervorbringen? Jeder Mensch hat Eigenheiten, der Künstler IST eine Eigenheit. 

Oft von gedanklicher und auch körperlicher Unruhe inspiriert, sehe ich auf die Familien, auf die Supermommies, auf die Bilderbuch Ehemänner, auf die Bürohengste, die Alleinerzieher, die 8 to 16 - Menschen, ich ziehe jedes Mal den Hut vor ihnen... aber ich selbst würde dabei geistig zu Grunde gehen. Es muss doch mehr Bereicherungen geben, die auch für solche schrägen Vögel, wie mich, einen Effekt erzielen. Ich weiß nur eines: Ich hasse Trägheit und Stagnation. Und ich fürchte mich davor, dass diese in gewissen Lebenssituationen eintreten kann. Ich suchte schon immer das Exzentrische. Hobbies, die herausfordernd sind, Menschen, die exzentrisch sind... ein guter Freund von mir hat einmal behauptet, mein ganzer Freundeskreis besteht nur aus Leuten, die einen Schrauben locker haben. Und mein Freundeskreis ist groß :) Manchmal erlebt man sicherlich eine größere Enttäuschung, wenn man sich mehr exponiert als viele andere, doch nie möchte ich die Momente missen, diese speziellen, aufregenden und beflügelnden, die positiven, die merklich überwiegen. Ja, genau diese quellen dann in Form von Schöpferkraft aus mir heraus. Haderte ich oft in meiner Vergangenheit mit dem, was ich bin, so bin ich heute sehr froh darüber. Leben und leben lassen. Dass viele Menschen mich als Unruhegeist und ewig Suchenden bezeichnen, sehe ich heute als großes Kompliment. Es behütet mich vor geistiger und körperlicher Stagnation. Und etappenweise finde ich immer das, was mich zufrieden macht, auch wenn es mehr Arbeit ist, als sich auf vermeintlichen Lorbeeren auszuruhen. 

Projekt: Kilimandscharo Besteigung

27.12.2017

Die für mich immer leicht stressigen Weihnachtsfesttage sind nun vorbei und ich überlege mir konkretere Pläne fürs Jahr 2018. Schon seit Sommer 2017 weiß ich, dass ich den ersten (und möglicherweise leichtesten) der seven summits, den Kilimandscharo besteigen will. Dadurch, dass ich keinerlei Camp- und im-Zelt-schlaf-Erfahrung habe, werde ich die Marangu Route wählen. Insgesamt geht es ca 4200hm rauf auf den höchsten Punkt Afrikas, dem Uhuru Peak mit fast 5900m. Die Luft dort oben ist sehr dünn und ich bin schon gespannt, ob mich die Höhenkrankheit erwischt. Um dieser vorzubeugen, möchte ich vorher eine Akklimatisierung in der Druckkammer machen. Wie das ganze aussieht, weiß ich noch nicht. Ich brauche noch einen Schlafsack mit -20°C Komforttemperatur. Und einiges an Ausrüstung habe ich ja schon vom Bergsteigen. 1000hm am Stück stellen ja nicht so eine Anstrengung für mich dar, aber ich habe ein bisschen Angst vor der Höhenluft. Dort ist angeblich alles viel anstrengender. Man muss sehr langsam gehen und pro Schritt 2x atmen, habe ich gehört. Ob man dort irgendwie Ruhe findet in der Nacht, wie man auf die Toilette geht, die Körperpflege... das beschäftigt mich. Es wird wie auf einem Camp für schwer erziehbare Kinder, Minimalismus ist angesagt und spartanische Verhältnisse. In der Form kenne ich das noch nicht, aber ich glaube, ich werde es sehr gerne in Kauf nehmen, stelle ich mir vor, dass ich hoffentlich auf den Gipfel hinaufsteige und den schönsten Sonnenaufgang meines Lebens erleben darf. Ich habe gelesen, dass nicht alle Bergsteiger hinaufkommen, dass es auch viele gibt, die vor dem Gipfel umdrehen müssen. Ich hoffe natürlich nicht, dass ich zu diesen dazugehören werde, aber wenn es so ist, dann muss ich auch damit leben können, und die Grenzen meines Körpers respektieren. Mehr darüber ein andermal :)

Nervenkitzel für Fortgeschrittene

Ende August 2017

Ist es nicht absurd? Im März meine erste E-Stelle absolviert, und dann lässt der Nervenkitzel nach? Wo endet das? Am Kaiserschild. Das waren Zeiten. Niemals bin ich Respektlos gegenüber dem Berg, aber man gewöhnt sich schön langsam an seine Schikanen. Und findet immer mehr Spaß daran. Leider liegt es in meinem Charakter, dass der Nervenkitzel bei vielem im Leben immer wieder nachlässt. Oder nennt man das Neugier? :) Okay, für einen Spitzenkletterer ist das alles eine Leichtigkeit. Aber für unser einen, den Hobby-Alpinisten, den Semi-Leistungssportler, es beschäftigt uns. Mit aufgerissenen Augen kann ich den wilden Kletterern im Red Bull TV folgen, bewaffnet mit einer Kotztüte, falls es mir schlecht wird, wenn ich sehe, wie sie von oben gefilmt werden, und unter ihnen der Abgrund, da beiße ich mir alle Nägel ab vor Aufregung. Aber für meine Wenigkeit tut es auch der Kaiserschild, ein bisschen Nervenkitzel bei der ausgesetzten Querung, ein bisschen Muskelkraft beim Überhang, dabei sehe ich alles aus einer ganz anderen Perspektive. Vor mir Mauerwerk, meine Arbeit. Runter schaue ich eh nie, weil ich so beschäftigt bin. Und wenn, dann sehe ich alles als weiches Kissen, in das man gemütlich reinfallen kann. Und nur Nervenkitzel allein ist auch nicht viel. Aber wer diese majestätische Aussicht am Ende genießen darf, der hat den Nervenkitzel eh schon wieder vergessen :)

Die Frau hat Fantasie :) Diplom-Vergabe Grundstudium Attersee

irgendwann Ende Juni 2017

Was hat eine Sadomaso-Mickeymouse im Plattenbau verloren? Warum saugt die Hand Gottes einer Frau Strom aus den Nippeln, dass sie den Saft verliert?  Wer ist der Protagonist, der von den beiden Damen verwöhnt wird? Darf ich vorstellen- mein Diplombild des Grundstudiums bei Prof. Attersee. Was da genau abgeht, weiß ich selbst nicht. Es ist so verwirrend, wie es die schnelllebige Welt heutzutage ist. Das ist die Verordnung der Gesellschaft selbst gegen ihren Wahnsinn- eine Art Selbstmedikation. Außenhin werden bizarre Masken getragen, innerlich scheißen wir uns in die Hosen. Wir verbünden uns mit dem Teufel, wenn es sein muss, nur um unser Ur-Verlangen nach Angenommen-sein zu decken. Wir wollen schreien, doch wir müssen wirken. Also lassen wir unsere Tränen daheim und präsentieren uns im Business als harte Sau. Und das auf einer einzigen Leinwand. Exzellent! Und zum Schluss gibt es noch ein Bussi vom Meister Attersee. 

Ehrgeiz, Erwartung und Realität

Blutspur, hohe Wand, 31.3.2017

Lange habe ich über die Blutspur nachgedacht, der Sinnhaftigkeit, sich so etwas zu stellen. Es gibt weitaus schönere, längere, nicht so extrem schwierige Routen. 

Manchmal fällt mir die Reaktion von Falco ein, als er erfuhr, dass er in Amerika einen Nummer eins Hit raus gebracht hat. Anstatt sich zu freuen, hatte er die Befürchtung, diese Leistung nie mehr toppen zu können. Das ist gefährlich. 

Warum muss man so herausragende Leistungen vollbringen? Um sich selbst zu genügen? Kann man das nicht auch so?

Das Meditative blieb bei der Blutspur zwar aus, aber ich muss zugeben, so extrem schwer war sie nun auch nicht für mich. Ich hätte erwartet, hilflos in den Seilen zu baumeln und festzustecken. Und umzukehren. Aber ich habe es gleich zweimal geschafft, diese Route zu erklimmen, es gibt lediglich eine Krux bei der E Stelle, ansonsten war ich eigentlich erstaunt, wie "einfach" zum Beispiel die sehr ausgesetzte Querung war. Im Internet sah ich Fotos davon, wo mir das Herz in die Hose rutschte, aber in der Realität war es nicht so schlimm. Oft im Leben gibt es solche Ereignisse. 

Ist man durch, ist die Angst, aber auch die Illusion verschwunden. Hat man genug Kraft in den Armen und Kondition, kann man das Wandl durchaus bezwingen. 

Aber wenn man jetzt der Theorie folgt, sich immer steigern zu müssen, um zufrieden mit sich zu sein, so kommt bald nur mehr der Sprung aus der Stratosphäre. Und danach? 

Es sollte eigentlich einen anderen Weg geben. Ein gewisser Ehrgeiz treibt einen zur Weiterentwicklung an, aber zu viel davon ist gefährlich. 

Irgendwie relativiert sich alles wieder mit der Zeit. So möchte ich in Zukunft die Dinge mit Genuss angehen. Das Meditative im Fels wieder finden. Die Landschaft und den Fels genießen. Die Natur spüren, zu mir finden und die Freiheit erfahren. Und das geht meiner Meinung nach nicht, wenn man sich permanenten Kraftakten aussetzt. Und ich habe nun die Gewissheit, dass ich auch sehr extreme Stellen erklimmen könnte, wenn ich wollte.

Aktion des Jahres: Blutspur und HTL Steig. Was ist Mut?

30.März 2017

 

Morgen ist es soweit. Ich stelle mich zur ersten Mal einem extrem schweren Kletterunternehmen. Schwierigkeitsgrad E. E=Extrem. Ich denke noch daran, wie ich vor zwei Jahren auf dem Skywalk auf der hohen Wand gestanden bin. Nur zur Info: Tausende Touristen gehen auf diese Plattform, die an der Kante der Wand angebracht ist, eine Plattform mit durchsichtigem Boden, wo man sehr viel Luft unter den Sohlen hat. Ich stand da, krallte mich ans Geländer und schlotterte vor Höhenangst. Wagte ich doch einen Blick herab, so krallte ich mich noch fester ans Geländer. 

Morgen geht es los. Um zehn Uhr auf die Blutspur. Mein Coach meinte mal spaßhaft, ob alle Künstler so verrückt sind, oder nur ich?:) Vor zwei Jahren hätte mich der Gedanke in den Wahnsinn getrieben. Aber ich habe mich getraut. Mit B Steigen angefangen. Mit schlotternden Knien. Jedes mal voller Furcht vor einem neuen Steig gestanden. Nun klettere ich D Stellen ohne Probleme, aber wann ist mal Feiertag? 

Warum bin ich also unersättlich? Warum muss ich mich so derart steigern. Ist das Mut oder falscher Ehrgeiz? Was, wenn mich morgen plötzlich wieder die Höhenangst packt? Muss man sich immer in Gefahr begeben, um mutig zu sein? 

Ich kann Euch sagen, mein Popo geht schon ziemlich auf Grundeis. Absagen traue ich mich aber auch nicht. Manch einer sagt zu mir, er hätte mehr Anerkennung, wenn ich absagen würde, als wenn ich es schaffen würde. Aber es gibt für mich kein zurück mehr. Ich vertraue mir und der Wand. Sie wird mich nicht abwerfen ;) Ich glaub an mich.