Die Form und die Grenzen

"Die Umarmaung des Kaiserschild"

Was hält der menschliche Körper aus? Wo sind seine Grenzen? Wie verwandlungsfähig ist seine Form?- Ein Selbsttest.

 

War ich früher ein durchschnitts-otto-normal-Mensch, der ab und an Sport machte, wie es so üblich ist, Fast Food zu mir genommen irgendwo zwischen Lenkrad und Ankunftsziel, viel Alkohol trank, gerade auch beim feiern, ja man merkte den Wandel. War ich im Teenageralter noch ein Püppchen, so spürte ich Mitte bis Ende 20, dass der Körper (leider erste negative) Veränderung zeigte. Einige Stockwerke raufsteigen- plötzlich anstrengend? Modelmaße gab´s auch keine mehr ;)

Einiges gefiel mir nicht mehr in meinem Leben. Deswegen, damals mit einem Kumpel, ging ich einmal auf die Völlerin auf die hohe Wand. Das war 2014. Puuh, war das anstrengend, 300hm. (dachte ich damals hehehe...). Ich begann mich zu spüren. Ich spürte die Steine auf meinen Sohlen, die Felsen, wo ich hingriff, ich kam das erste Mal mit einem Stahlseil in Berührung (Vorsicht, Suchtgefahr :) ). Immer wieder dachte ich darüber nach. Einige Zeit später ging ich diesen Weg nochmal allein. Es war so meditativ. Das Gebirge war so spannend. Mein Körper schwitzte, die Beine brannten, insbesondere die Waden.

 

Ich sah Menschen klettern. Es erschütterte mich. Wie kann man sowas freiwillig machen? Es sah so gefährlich aus. Todesmutig zogen sie ihre durchtrainierten Körper die Felsen hoch. Ich fühlte mich einerseits abgestoßen, doch andererseits magisch angezogen. Irgendwie wollte ich auch so sein.

 

2 Jahre später, Sommer 2016: Ich hänge genau an dieser Stelle, auf der ich diese Kletterer vom Skywalk aus bestaunt habe. Muskelkater habe ich ürbigens selten mehr. Ich ziehe mich am Gestein hoch, ich bin im flow. Ab und zu schaue ich auf ein Skywalk, es stehen einige Menschen, die mich beobachten, ich war an diesem Tag die einzige in der Wand. Oben angekommen kam eine tschechische Familie und gratulierte mir. Sie dachten von Weitem, ich sei ein Bursche.

die besagte Stelle

Ich begann gleichzeitig meinen Körper zu trainieren. Kraftübungen und Gewichte heben. Um zu schauen, wie es sich auf das Klettern auswirkt. Mittlerweile mache ich das 3x die Woche. Zweimal klettere ich und einmal gehe ich Bergsteigen/Touren. Jeden Tag, wo ich nichts mache, fühle ich mich träge. Aber ich möchte trotz allem den einen Tag Pause aushalten in der Woche, wo sich mein Körper regenerieren kann. Ich spüre immer mehr physische und psychische Kraft. Mein Körper hat sich sehr verformt. Und ein kleiner, aber nicht übersehbarer Bonus: die Modelmaße sind von allein wieder zurück ;) ohne Hungern.

vorher/nachher

Ich habe mein Leben völlig umgestellt. 1000hm stellen für mich keine besondere Anstrengung mehr dar. Ich mag es, die Höhe zu überwinden. Ich mag es, meine Kraft einzusetzen. Zu spüren, was geht. Manch einer wirft mir vor, mir Muskeln als Schutzpanzer aufzubauen. Ich sage: das stimmt! Man fühlt sich einfach besser. Man ist stolz. Genauso wie man sich in den Schwierigkeitsgraden beim Klettern steigert oder bei den Höhenmetern. Das macht selbstbewusst! Es ist für mich wie ein Spiel mit mir selbst.

Leistung und Steigerung

Die Leistung des menschlichen Körpers ist ein faszinierendes Phänomen. Man betrachte eines meiner größten Vorbilder Adam Ondra, den weltbesten Kletterer, er eröffnet neue Schwierigkeitsgrade im Klettern, bei denen alleine das Zusehen unmenschlich erscheint. Meiner einer fragt sich, wie verdammt nochmal es der Bursche schafft, sich festzuhalten an einem nahezu grifflosen Dach einer Höhle. Einmal war ich auf einer Präsentation von ihm über seine neusten Projekte. Es erschien mir als unmöglich in meiner Phantasie, dies nur irgendwie zu über-leben.

Aber aus meiner Historie weiß ich, wie sehr steigerbar athletische Leistungen sind. Der Körper passt sich an. Ich wurde immer schlanker, sehniger und muskulöser. Meine Arme entwickelten Muskeln, die ich vorher niemals bemerkte. Die Stoffwechsel steigerte sich, mein Körper braucht mehr Nahrung, um stabil zu bleiben. Gehe ich Bergsteigen, beaobachte ich, wie sich frühere Strapazen nun als Selbstverständlichkeit herausstellen. Alles verschiebt sich nach oben. Genau zu beobachten sind die Schwierigkeitsgrade beim Klettern. Mit Stahlseil komme ich bereits in höchste Grade und auch beim Freiklettern entwickelt der Körper immer gefinkeltere Bewegungsabläufe, um höhere Grade erklimmen zu können. Im Alltag habe ich unendlich viel Kraft und Kondition.